Grube Johannes - Der "Silbersee" soll umfangreich saniert werden

   

An der Nordspitze der Grube Johannes werden die alten Biomatten entfernt. Dort beginnt dann die Verfüllung der Wasserfläche.
(Foto: Thomas Ruttke)

 
Wolfen/MZ
Wenn es auch um die Grube Johannes, im Volksmund Silbersee genannt, eher ruhig geworden ist, hat die Altlast in Wolfen nichts an ihrer Brisanz verloren. Immer noch lagern dort in einem Volumen von rund 2,25 Millionen Kubikmetern Schlämme und Aschen, die aus der Produktion der Filmfabrik und anliegender Kraftwerke stammen.
Vielen Anwohnern sind noch die unangenehmen Ausgasungen von Schwefelwasserstoff in Erinnerung, die an manchen Tagen das Leben gerade in Wolfen-Süd fast unerträglich gemacht hatten.
 
Das Problem der Ausgasungen soll vorsichtig wieder angegangen werden
 
Nun will die Mitteldeutsche Sanierungs- und Entsorgungsgesellschaft (MDSE) in einem Großversuch erproben, wie man dem zurzeit ruhenden Problem beikommen kann. Harald Rötschke, Geschäftsführer der MDSE, und sein Team haben dazu klare Vorstellungen.
"Wir haben an der Nordspitze der Grube bereits eine Baustelle eingerichtet, von der aus die nächsten Schritte in Angriff genommen werden", sagt er. "Die in den 90er Jahren an dieser Stelle aufgelegten Biomatten sind verrottet und erfüllen nicht mehr den Zweck der Geruchsminderung", beschreibt Rötschke die Hintergründe der begonnenen Sanierung.
Diese Matten würden jetzt im ersten Schritt entfernt, so dass man an die Wasserfläche herankommen könne. In den weiteren Schritten würde die gesamte Nordspitze des Sees in drei Abschnitte unterteilt und mit Verbrennungsschlacken Schritt für Schritt aufgefüllt.
Da diese Schlacken eine gleichmäßige Körnung haben müssten, sei gewährleistet, dass sie das Wasser durchsickern und den Schlamm entwässern würden. Das alles müsse natürlich sehr langsam geschehen, beschreibt Rötschke die Vorgehensweise.
Es dürfe nicht passieren, dass die manchmal meterdicke Schlammschicht im See aufgewühlt und der Untergrund beschädigt würde. Sollte es dennoch zu ungewollten Ausgasungen kommen, könne man die Stelle im See mit bereitgestellten Materialien wieder abdecken.
 
Das Vorhaben könnte sich für den gesamten Teich über zehn bis 15 Jahre erstrecken
 
Für dieses Vorhaben an der Nordspitze habe man sich einen Zeitraum von sechs Monaten vorgenommen. Erfahrungen in dieser Hinsicht habe man schon in dem so genannten Versuchsteich an der Westseite der Grube gesammelt. "Dort haben wir eine große Menge von Schlacken eingefüllt, so dass der Teich jetzt eine trockene Stelle ist", so Rötschke weiter.
Sollten die Erfahrungen aus dem Teich und der Nordspitze der Grube erfolgreich sein, wolle man den gesamten See in Angriff nehmen. Das Vorhaben erstrecke sich aber auf einen sehr langen Zeitraum, meint der Geschäftsführer und geht dabei von zehn bis 15 Jahren aus.
 
Standsicherheit der Böschung zur B184 gefährdet
 
Neben der Sicherungspflicht, die das Unternehmen für die Grube habe, macht den Spezialisten der ständig steigende Grundwasserspiegel zu schaffen. "Einen Meter ist der Wasserspiegel bis jetzt gestiegen, was deutlich an der Vernässung der umliegenden Wälder zu sehen ist", erklärt Rötschke.
Dadurch werde auch die Standsicherheit der Böschung zur B184 und zum Johannesweg beeinträchtigt, weiß er. "Um die Gefährdung an diesen Stellen zu minimieren, muss man jetzt handeln."
Die Vorbereitungen für diese große Maßnahmen an der Grube Johannes laufe schon lange, blickt er zurück. Das Komplizierte sei dabei gewesen, die geeignetsten Schüttgüter in den Größenordnungen zu bekommen, die für die Arbeiten benötigt würden.
Das sei alles geklärt, ebenso die Überwachung der Arbeiten durch externe Firmen. Dort, wo es früher penetrant gestunken hat, soll in mehreren Jahren eine Grünfläche entstanden sein, die nicht mehr an die Altlast erinnert, sagt Rötschke. (mz)
 
von Michael Maul aus: Mitteldeutsche Zeitung vom 29.11.2016
 

 
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