Schutz vor giftigem Grundwasser Greppin soll unterirdische Mauer bekommen

   

Die Brunnen im Vordergrund sind wartungsintensiv und damit teuer. Deswegen wird die MDSE Greppin künftig ganz anders schützen.
(Foto: Holger John)

 
Greppin/MZ
Greppin bekommt eine Schutzmauer mit enormen Ausmaßen: 650 Meter lang und bis zu 35 Meter tief. Die unterirdische Dichtungswand soll den Bitterfeld-Wolfener Stadtteil endgültig vor giftigem Grundwasser schützen, das aus Richtung Süden in Richtung der Siedlung kriecht.
Denn der bisherige Schutzriegel mit zehn wasserhebenden Brunnen an der Parsevalstraße funktioniert zwar, er ist aber sehr wartungsintensiv. Die chemischen Prozesse unter der Erde führen zu Problemen, die vor dem Bau des Brunnenriegels der Sanierungsgesellschaft MDSE noch unbekannt waren.
 
Greppin braucht Schutzriegel vor dem vergifteten Grundwasser
 
Durch den besonderen Untergrund mit Braunkohleresten und hohen pH-Werten fallen die Brunnen vor Greppin immer wieder aus oder arbeiten nur eingeschränkt. Ihre Filterschlitze setzen sich zu, überall klebt Schlamm, Kalk härtet aus. Alle paar Jahre müssen daher die Brunnen erneuert werden. Aber Greppin braucht den Schutzriegel vor dem Grundwasser, das die giftigen leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) enthält. "Wir können den Ort ja nicht umsiedeln", sagt MDSE-Bereichsleiter Altlasten, Ronald Basmer.
 
Eine Greppiner Grundschule musste im Jahr 1999 bereits aufgegeben werden. Der Keller der Einrichtung war tief. Zu tief. Und mit dem steigenden Grundwasser gasten dort die Kontaminationen aus, ein fürchterlicher Gestank trat von unten in die Räume. Auch das Verfüllen des Kellers konnte die Schule nicht mehr retten.
 
Leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe bei bestimmter Konzentration giftig
 
Anderswo belüftet die MDSE noch heute Greppiner Keller, um die ausgasenden Dämpfe wieder nach außen zu treiben. "Die LHKW sind ab einer bestimmten Konzentration giftig", schildert Basmer. Deswegen muss die Gesellschaft seit Jahren handeln.
 
Weil die Brunnen entlang der Parsevalstraße aber auf lange Sicht unwirtschaftlich sind, wird nun die Betonwand geplant. 2020 könnte Baubeginn sein. Noch ist ihr exakter Verlauf unklar. Es gibt aber wenig Spielraum. Und zwischen Straßen, Häusern und Rohrbrücken hat die MDSE ein solches Bauwerk noch nicht errichtet.
 
Wenig Spielraum bei Mauerverlauf – Greppin erwartet Lärm, Gerüche und Verkehrsbeeinträchtigungen
 
Eine ähnliche Mauer bei Leuna – zwischen der Total-Raffinerie und der Saale – konnte die Gesellschaft quasi auf freiem Feld errichten. Bei Greppin müssen nun auch Kabel und Leitungen unter der Erde berücksichtigt werden. Das ist schwerer.
 

(Foto: MDSE / Grafik: MZ/Büttner)

 
Und die Einwohner werden die Bauarbeiten mehr als nur sehen: "Es werden Lärm und Gerüche entstehen", erklärt Dietmar Schlecht, Projektleiter der MDSE. Auch der Verkehr auf der Parsevalstraße wird Beeinträchtigungen spüren. "Wir wollen die Einschränkungen so gering wie möglich halten", sagt Schlecht. Sie könnten sich über zwei Jahre erstrecken. Der grüne Streifen vor den Toren von Greppin soll weitgehend erhalten bleiben.
 
Betonwand soll Grundwasserströme vor Greppin komplett stoppen
 
Steht das millionenschwere Bauwerk erst einmal, kann die MDSE das sich davor sammelnde Wasser mit einem einfacheren Verfahren abpumpen als bisher, erklärt Basmer. Die Betonwand soll die Grundwasserströme vor dem Ort komplett stoppen.
 
Dann hat der seit 2002 arbeitenden Brunnenriegel ausgedient. Bereits in den Jahren 2003 und 2004 sind an dessen Pumpen die ersten immensen Probleme aufgetaucht. "Das wusste man vor dem Bau noch nicht, das war eine neue Erkenntnis", sagt Basmer. Mehr als zehn Jahre lang haben die Behörden nun nach einer Lösung gesucht und sind letztlich bei der millionenschweren Variante gelandet. Der Greppiner Brunnenriegel ist einer von drei in der Region: Ein weiterer befindet sich bei den Bayer-Werken, ein anderer bei Bitterfeld Süd. (mz)
 
von Stefan Schröter aus: Mitteldeutsche Zeitung vom 24.04.2018
 

 
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